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Donnerstag 11.02.2010 20:00 Halle
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Tommy Finke
Poet der Affen
CD Release Konzert
VVK: frei € (zzgl. Gebühr)
AK: frei €
Tommy Finke titel: Poet der Affen / Poet Of The Apes label: Roof Music / Indigo v.ö.: 29.01.2010

Wer bereits mit sieben Jahren seinen ersten Tinnitus bekommt, der muss entweder in einer äußerst lärmbelasteten Umgebung aufwachsen oder gnadenlos der Musik verfallen sein.

Für den Bochumer Thomas David Finke alias Tommy Finke trifft letzteres zu und er nimmt das Fiepen in seinem Ohr gelassen als Kainsmal seiner Berufung hin. Denn eines war schon recht früh klar in seinem Leben: nur mit Musik gibt es ein besseres Morgen.

Als Teenager machte er zunächst in der Spaß-Punkband Hummelgesicht seinem Ärger Luft. Irgendwann stellt der Brit-Pop-Fan und Beatles-Fanatiker jedoch fest, dass seine Ambitionen mehr verlangen als Drei-Akkorde für den nächsten Pogotanz.

Mit eigenen Kompositionen in der Tasche gründete er deshalb im Jahr 2000 mit Freunden die Band Stromgitarre.

Deren Bandchemie wurde leider im Laufe von vier produktiven Jahren so oft durcheinander gewürfelt, dass Tommy mehr und mehr allein für Songwriting und dessen Ausarbeitung verantwortlich wurde. Nebenbei beginnt er auch solo, allein mit der Akustikgitarre, eigene Songs vor Publikum zu präsentieren. Nur logisch, dass aus Stromgitarre irgendwann „Tommy Finke & Stromgitarre“ wurde und nach einer Weile das ganze Projekt einfach nur noch „Tommy Finke & Band“ hieß.

Wie sich zeigte zu Recht, denn mit seiner EP „1000 Meilen“ macht Finke 2004 erstmals mit einem an Rio Reiser, Oasis und The Beatles geschulten Songwriting durch eine Indiepop-Veröffentlichung auf sich aufmerksam, die vor allem dank ihrer poetischen Wirkungskraft viel Applaus einfährt. Drei Jahre später erblickt mit „Repariert was euch kaputtmacht“ dann 2007 ein Album das Licht der Welt, das den Singer/Songwriter endgültig zu einem der talentiertesten jungen Künstler seiner Heimat adelt. Zufrieden war Finke trotzdem nicht, denn immer mehr Fans aus dem Ausland ließen von sich hören, und meldeten Verständnisprobleme der deutschen Liedzeilen an. Der Gitarrist und Pianist Finke übersetzte die eigenen Texte ins Englische und stellte nebenbei fest, dass den Liedern auch Potential für internationale Anerkennung innewohnt.

Nachdenklich zog sich der 28-jährige in seine zwischen einem Friedhof und einem Gefängnis liegende Bochumer Wohnung zurück, betrachtete die beiden Freiheit beraubenden Orte und schmiedete den Plan, ein ungeschminktes Album einzuspielen, das seine Songs auf Deutsch und auf Englisch präsentiert. Schließlich soll die ganze Welt von seiner Kunst erfahren. Und das in beiden Sprachversionen mit Texten aus seiner Feder. Denn Wörter müssen gespürt werden, bevor man sie singt, und ein Übersetzer ist noch lange kein Poet.

Mit dem Kopf voller Ideen schloss er sich im letzen Winter mit seinen Stromgitarren-Jungs im Proberaum ein, arbeitete seine neuen Skizzen aus und nahm jeden Song, sobald er sich zwischen allen Musikern gut anfühlte, direkt auf. „Die Platte sollte den Charme des Unperfekten haben“, erklärt er selbst zu seinem neuerlich reduzierten Bandsound und der daraus resultierenden Unmittelbarkeit der Kompositionen. Sein erklärtes Ziel, „Musik zu schreiben, die man noch spielen kann, wenn eine Atombombe gefallen ist“, hat er damit erfüllt. Denn jedes seiner mit Alltagsbeobachtungen vollgestopften Lieder funktioniert mit Band genau so gut, wie allein an der Gitarre.

Dass die 13 melodischen Indiepopsongs, die den Charme intimer Tagebucheinträge verbreiten, in zweifacher Ausführung und unterschiedlicher Sprache auf seinem Doppel-Album erhältlich sind, macht das Hörerlebnis um so spannender. Denn jede Version hat ihre eigene Klasse und wirkt in ihrer Sprache trotz identischer Backing-Aufnahmen atmosphärisch neu und frisch.

Ohnehin stellt diese Form der Veröffentlichung ein Novum dar, denn bis dato hat noch kein deutscher Songwriter das Wagnis unternommen, ein Album gleich in doppelter Ausführung in einem Digipak zu veröffentlichen. Angst vor Misserfolg braucht Finke für seine Risikobereitschaft nicht zu haben. Denn alle Lieder leben von slogenhaften Refrains und verteilen Hooklines, an denen man unwiderruflich kleben bleibt. Dass seine das Leben mit fiktionalem Ideenreichtum sezierenden Texte obendrein ungemein nachhaltig wirken, macht es noch leichter, sich in „Poet der Affen/Poet of the Apes“ zu verlieben. Und spätestens wenn man das Glück hat, die zwischen Melancholie und Frohsinn pendelnden Lieder live zu hören und man dem Bühnencharme dieses jungen Künstlers aus dem Ruhrgebiet erliegt, dürfte jedem klar werden, dass er die Welt erobern will, ohne sich zu verbiegen.

Tommy Finke: Gesang, Gitarren, Klavier, Mundharmonika, Synths, Klanglandschaften & Krach, Perkussion Sung-Eun Suh: Bassgitarre Michael Andrzejewski: Gitarren, Akkordeon, Hintergrundgesang Mark Scholtz: Schlagzeug Daniel Brandl: Cello
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